Kunst am Bau in der DDR

Zur kulturellen Hinterlassenschaft der DDR gehört ein noch immer bemerkenswerter Bestand an Kunstwerken im öffentlichen Raum. Es war der Bestimmung nach jedoch nicht nur ein schmückendes Element. In erster Linie hatte sie, je nach Auftraggeber, politische Inhalte bzw. idealisierte Gesellschaftsbilder zu vermitteln. Eine sehr grobe Vereinfachung wäre es allerdings, diese baubezogene Kunst als bloße Propagandakunst der SED darzustellen. Zwar waren die Inhalte von den Auftraggebern vorgegeben, wie sie diese umsetzten entschieden die Künstler, von denen nicht wenige hauptsächlich von solchen Aufträgen lebten, selbst. Die umfangreichsten Konzepte wurden in den Zentren der DDR-Hauptstadt Berlin und einigen Bezirksstädten wie Leipzig, Dresden, Karl-Marx-Stadt oder Halle-Neustadt  entwickelt. Ab Mitte 1982 wurden für die baubezogene Kunst statt der bis dahin üblichen zwei Prozent nur noch 0,5 Prozent der Investitionssumme und im Bereich des komplexen Wohnungsbaus nur noch maximal 45 Mark der DDR pro Wohnungseinheit bewilligt. Und trotzdem entstanden auch im letzten Jahrzehnt der DDR bemerkenswerte Arbeiten.

 

Kunst war allgegenwärtig. Sie wurde damals staatlich gefördert und ist allein deswegen weiter verbreitet als in Westdeutschland. Gerade in den Kulturhäusern, Schulen oder Kindergärten gab es architekturgebundene Kunst. Die Inhalte der Kunstwerke sind oft ideologisch und politisch behaftet: der Staat, die glückliche Familie, der Aufbau, der Lebensbaum oder die Friedenstaube. Die Kunst in der DDR hatte einen Bildungsauftrag. An Schulgebäuden fanden sich schulische Motive, wobei die „Freundschaft der Völker“ ein beliebtes Motiv war. In Kindergärten waren künstlerische Motive aus Flora und Fauna vorherrschend, in Schwedt/Oder mit seinem Petrolchemischen Kombinats finden sich vielfach Reagenzgläser oder in Sachsen Bergbaumotive.

 

Meist wurde die Kunst im öffentlichen Raum unterschwellig wahrgenommen. Man ahnt gar nicht, wie viel es trotz der massiven Sanierungs- oder Abrissarbeiten immer noch zu entdecken gibt. Man muss sich nur die Zeit nehmen, sie noch zu finden. Manchmal sind Mosaike, Sgraffiti, Wand- oder Glasmalereien, Reliefs oder Statuen nicht mehr dort zu finden, wo sie ursprünglich waren, sondern kamen in ein Depot und wurden im günstigsten Fall restauriert, um sie an einer anderen Stelle wieder aufzubauen. Die Suche lohnt sich auf jeden Fall, schließlich sind sie Teil der DDR-Geschichte und es überraschte mich, wie farbig die meisten Kunstwerke der DDR eigentlich waren. Nicht alle Städte haben ihre Kunstwerke im öffentlichen Raum so festgehalten wie Schwedt / Oder und Halle (Saale). Daher fand ich die Motive in den Büchern „Baubezogene Kunst der DDR“ und „Architekturführer Eisenhüttenstadt“ von Martin Maleschka und durch Internet-Recherchen.

Berlin

Berlin II

Brandenburg

Brandenburg II

Mecklenburg-Vorpommern

Sachsen

Sachsen-Anhalt

Ein vielfältiges Bild von der DDR-Kunst am Bau zeigt sich in Halle-Neustadt.  Der Stadtteil von Halle (Saale) war und ist eine Kunststadt im doppelten Sinn: als Planstadt mit industrieller Plattenbauweise und künstlerisch als größte Freiraumgalerie der DDR. Fast 150 Werke im Freien, dazu etwa 30 im Inneren öffentlicher Gebäude, etwa 180 Werke der Bildenden und Angewandten Kunst, die nach 1990 um weitere 16 ergänzt wurden, denen aber einige Verluste gegenüberstehen. Seien es Plastiken, Wandbilder, Brunnen, Raumgliederungen Elemente, Oberflächengestaltungen, Strukturwände und nicht zuletzt spezifische Ornamente an Giebelwänden. Entgegen der Erwartung machen Werke mit unmittelbaren politischen Bezügen gerade einmal 23 Prozent der Gesamtmenge aus. Plumpe Propaganda war selten zu finden. Meist wurden sie mit einer gewissen Raffinesse transportiert wie z.B. die drei Grosswandbilder von Josep Renau im Bildungszentrum unter anderem mit dem Titel „Die Einheit der Arbeiterklasse und Gründung der DDR“, „Die vom Menschen beherrschten Kräfte der Natur und Technik“ und „Die Idee wird zur materiellen Gewalt , wenn sie die Massen ergreift - Marsch der Jugend“ (wegen Feuchtigkeit leider abgenommen). Weitere Bilder mit politischen Botschaften waren nicht ausschließlich an das politische System gerichtet, wie „Frieden auf unserer Erde“ oder „Gegen Krieg, Hunger“. Insgesamt reichen die Themen der baugebundenen Kunst in Halle-Neustadt von der Arbeitswelt und Chemieindustrie, der Bildung, Frauenemanzipation, historische Darstellungen und politische Botschaften bis hin zur Völkerfreundschaft, Naturthemen, Familie, Freizeit und Sport. 

Thüringen